The Lost Patrol – Die vergessene Patrouille

05.08.2010 Walter Gasperi

Westernspezialist John Ford drehte 1934 diesen Film über eine elfköpfige britische Truppe, die während des Ersten Weltkriegs in der arabischen Wüste sukzessive dezimiert wird. – Interessanter als der Film an sich ist der Vergleich der deutschen Synchronfassung mit der sieben Minuten längeren amerikanischen Originalfassung, den die von Schröder Media herausgegebene DVD ermöglicht.


Ursprünglich als Western angelegt revidierte Dudley Nichols im Auftrag John Fords das Skript komplett und verlegte die Handlung in den Ersten Weltkrieg und die arabische Wüste. Unsichtbar bleibt der Feind, der die am Anfang elfköpfige Truppe sukzessive dezimiert. Orientierungslos bleibt diese nach der Ermordung des führenden Offiziers zurück, keine Ahnung hat der Sergeant (Victor McLaglen) wie und wohin es weitergehen soll, führt aber seine Männer zu einer Oase, die ihnen zuerst wie ein Paradies erscheint. Bald aber werden sie Mann für Mann von Arabern abgeknallt, bis nur noch der Sergeant übrig ist.

Sehr reduziert ist die Handlung, lässt Wendungen vermissen, lebt dafür von der Zeichnung unterschiedlicher Charaktere. Während diese sich in der deutschen Fassung erst im Lauf des Films herauskristallisieren, werden sie in der amerikanischen Fassung schon im Vorspann vorgestellt und so Identifikation mit ihnen geschaffen. Den verbohrten religiösen Eiferer (ideal besetzt mit Boris Karloff, dessen kantiger Kopf und hagerer Körper Härte und Selbstkasteiung ausdrücken) gibt es da ebenso wie den Abenteurer, den Familienvater und das Muttersöhnchen, das durch den Kriegsdienst zum Mann werden will.

Erschwert wird der Zugang zu diesen Figuren in der deutschen Fassung auch durch die Tonspur. Denn die Synchronisation ist miserabel und – weit schwerer wiegend – die Musik von Max Steiner wurde in der deutschen Fassung über weite Strecken eliminiert, im Finale sogar ausgetauscht. Im Vergleich der beiden Fassungen merkt man so, wie sehr Sprache und mehr noch musikalische Untermalung Atmosphäre schaffen, den Zuschauer emotionalisieren und mitreissen. Wo die deutsche Fassung hölzern und steril wirkt, ist die amerikanische trotz der doch insgesamt eher dürftigen Handlung bewegend.

Und auch die Kürzungen schwächen die emotionale Kraft von «The Lost Patrol» – wieso dem Film in dieser DVD-Ausgabe der deutsche Titel «Die vergessene Patrouille» gegeben wurde, obwohl der Vorspann «Die verlorene Patrouille» titelt, bleibt schleierhaft. Plastischer wird im amerikanischen Original der religiöse Fanatiker Sanders durch ein in der deutschen Fassung geschnittenes Bibelstudium während einer Rast, mehr Konturen gewinnen der Sergeant und Morelli durch ein im Original deutlich längeres Gespräch und die exzessivere Oasen-Szene macht die Erlösung, die dieser Moment bringt, plastischer erfahrbar. – So wird der Vergleich der beiden Fassungen auch zu einem von diesem speziellen Film unabhängigen Plädoyer für Originalfassungen und gegen – nicht nur in diesem Fall – verstümmelte Synchronfassungen.

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